Krumme Straße am Eixendorfer Seeweg

Eixendorfer Seeweg – Wandern über dem Atlantis der Oberpfalz

Der Eixendorfer Seeweg führt auf schmalen Pfaden durch die Wälder des Oberpfälzer Waldes und immer wieder ans Wasser. Doch unter dessen Oberfläche liegt eine andere Landschaft: mit Straßen, einer alten Bahntrasse und dem verschwundenen Dorf Eixendorf. Eine Wanderung durch die sichtbaren und unsichtbaren Schichten einer Landschaft.

Eine Straße, die im Wasser verschwindet

Mitten in einer eigentlich wunderschönen Seenlandschaft führt eine Straße ins Wasser.
Nicht gerade, sondern in einem eigentümlichen Bogen zieht sich der alte Asphalt über das trockengefallene Ufer. Dann verschwindet er im Eixendorfer See. Bei meinem Besuch herrschte Niedrigwasser und trotzdem war von dem, was hier einmal gewesen ist, erstaunlich wenig zu erkennen.

Doch die Straße führt nicht zufällig ins Wasser.

Wo sich heute der Eixendorfer See durch das Schwarzachtal zieht, lag einst das Dorf Eixendorf. Es gab Häuser und Höfe, Felder und Wege. Auch eine Eisenbahn führte durch das Tal. Für den Bau des Stausees mussten die Menschen ihre Heimat verlassen. Heute liegt ein Teil dieser früheren Landschaft unter Wasser.

Manchmal wird Eixendorf deshalb als das „Atlantis der Oberpfalz“ bezeichnet.

Ein griffiger Name für eine Geschichte, die in Wirklichkeit sehr viel weniger sagenhaft ist. Denn für die Menschen, die hier lebten, bedeutete die Entstehung des Sees den Verlust ihrer Häuser, ihrer Höfe und einer gewachsenen Dorfgemeinschaft.
Und trotzdem stehe ich heute hier und finde diese Landschaft wunderschön.

Vielleicht ist es gerade dieser Widerspruch, der den Eixendorfer See so interessant macht. Landschaft ist schließlich nicht nur das, was wir vor uns sehen. Sie trägt Spuren dessen in sich, was vorher da war – manchmal sichtbar, manchmal verborgen.

Eigentlich war ich aber aus einem viel einfacheren Grund hier. Ich wollte wandern.

Einmal rund um den Eixendorfer See

Schon bei einer früheren Wanderung zum Schwarzwihrberg hatte mich der Eixendorfer See neugierig gemacht. Diesmal sollte er nicht nur Teil der Aussicht sein: Ich wollte ihn umrunden.

Rund 17 Kilometer und 160 Höhenmeter zeigte meine Aufzeichnung am Ende. Auf dem Papier klingt das zunächst nach einer eher gemütlichen Seeumrundung. Vielleicht nach breiten Wegen, viel Wasser und einer weitgehend ebenen Runde.
Der Eixendorfer Seeweg zeigte ziemlich schnell, dass er abwechslungsreicher ist.

Natürlich gibt es Schotterwege. Und immer wieder führt die Runde unmittelbar ans Wasser. Doch dazwischen verschwinden die Wege im Wald, werden schmaler und wurzeliger, führen über Wiesen und an Felsen vorbei. Mal liegt der See offen vor mir, mal blitzt er nur zwischen den Bäumen hindurch.

Tourdaten: Eixendorfer Seeweg

Region: Oberpfälzer Wald
Start meiner Runde: Wanderparkplatz Eixendorf
Meine Tour: ca. 17 km | 160 hm
Charakter: Schotter- und Wiesenwege, schmale Wald- und Wurzelpfade, Felsen und zahlreiche Ausblicke auf den Eixendorfer See
Besonderheiten: Versunkenes Eixendorf, alte Bahntrasse, Steinerner Steffl, Vorsperre und Schwarzach

Die Angaben beziehen sich auf meine tatsächlich gelaufene Runde. Der offiziell ausgewiesene Eixendorfer Seeweg wird mit 15,2 Kilometern und 230 Höhenmetern angegeben.

Dabei geht es immer wieder ein wenig hinauf und wieder hinunter. Nie besonders weit, nie wirklich anstrengend, aber genug, damit sich die Wanderung nicht wie eine ebene Runde entlang eines Stausees anfühlt.

Und auch das Wasser selbst wirkt nicht überall wie ein klassischer See.
Manchmal öffnet es sich weit zwischen den bewaldeten Ufern. An anderen Stellen zieht es sich schmal durch die Landschaft und erinnert beinahe wieder an einen Fluss.

Was zunächst nur wie ein persönlicher Eindruck wirkte, erzählt bereits etwas über die Geschichte dieser Landschaft.
Denn bevor hier ein See war, war hier tatsächlich ein Fluss.

Ein Flusstal wird zum See

Die Schwarzach zog durch ihr Tal östlich von Neunburg vorm Wald, vorbei an Feldern, Höfen und dem Dorf Eixendorf. Heute liegt der untere Teil dieser Landschaft unter einer neuen horizontalen Ebene: dem Wasser des Eixendorfer Sees.

Der Eixendorfer See ist also kein ausgehobenes Becken. Er entstand durch den Aufstau der Schwarzach und folgt damit bis heute der Form ihres Tals. Das erklärt auch, warum ich ihn während meiner Wanderung stellenweise beinahe als breiten Fluss wahrgenommen habe.

Bei Normalstau bedeckt das Wasser rund 100 Hektar. An der tiefsten Stelle liegen etwa 13 Meter zwischen Wasseroberfläche und Seegrund. Das reicht, um Straßen, einen Teil der ehemaligen Eisenbahntrasse und andere Spuren der alten Tallandschaft verschwinden zu lassen.

Auch oberhalb des Wassers bleibt das Relief spürbar. Der Wanderweg folgt nicht einfach einer Ebene am Ufer. Immer wieder führt er ein Stück hinauf in die bewaldeten Talflanken, zwischen Felsen hindurch und anschließend wieder hinunter ans Wasser. So sammeln sich auf meiner Runde zwar nur rund 160 Höhenmeter, dennoch entsteht jenes stetige Auf und Ab, das dem Weg stellenweise einen überraschend urigen Charakter gibt.

Man wandert also nicht einfach um einen Stausee. Man bewegt sich durch ein geflutetes Flusstal, dessen ursprüngliche Form noch immer in der heutigen Landschaft steckt.

Eixendorfer See in Zahlen

Entstanden: 1976
Gewässer: aufgestaute Schwarzach
Wasserfläche: ca. 100 ha bei Normalstau
Maximale Tiefe: ca. 13 m
Funktion: Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Wasserkraft
2026: 50 Jahre Eixendorfer See

Warum wurde die Schwarzach hier überhaupt aufgestaut?

Die Entstehung des Sees hatte zunächst wenig mit jener idyllischen Freizeitlandschaft zu tun, als die ich ihn heute erlebe.

Wiederkehrende Hochwasser der Schwarzach hatten zuvor Schäden in Siedlungen und auf landwirtschaftlichen Flächen verursacht. Zwischen 1972 und 1976 entstand deshalb bei Eixendorf der größte von drei Wasserspeichern im Flusssystem der Schwarzach. Gemeinsam mit Perlsee und Silbersee weiter flussaufwärts dient er vor allem dem Hochwasserschutz.

Doch der Speicher erfüllt weitere Aufgaben. In trockenen Zeiten wird Wasser abgegeben, um die Wasserführung der Schwarzach zu verbessern. Gleichzeitig wird Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt. Erst mit dem See entstand schließlich auch eine neue Freizeit- und Erholungslandschaft.

Und die feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 2026 besteht der Eixendorfer See seit 50 Jahren.

Ein halbes Jahrhundert ist für ein Menschenleben eine lange Zeit. Für eine Landschaft ist es erstaunlich wenig.
Menschen können sich noch an das alte Eixendorf erinnern. Unter dem Wasser liegen weiterhin Spuren der früheren Landschaft. Gleichzeitig wirkt der See heute stellenweise so selbstverständlich, als hätte er schon immer zwischen diesen bewaldeten Hängen gelegen.

Immer noch Oberpfälzer Wald

Dass mir diese Landschaft so gut gefiel, überraschte mich eigentlich nicht.
Überrascht hat mich eher, wo ich mich dabei tatsächlich befand.

Gedanklich hatte ich den Eixendorfer See zunächst stärker dem Oberen Bayerischen Wald zugeordnet. Schließlich führt die Wanderung tatsächlich durch den gleichnamigen Naturpark. Erst ein freundlicher Hinweis auf Komoot brachte mich dazu, genauer hinzusehen.

Und dabei stellte ich fest: Ich hatte den Oberpfälzer Wald naturräumlich überhaupt nicht verlassen.
Kein Wunder, dass es mir hier so gut gefallen hat.

Naturpark ist nicht gleich Naturraum

Naturparks sind großräumige Schutz- und Erholungslandschaften mit festgelegten Grenzen. Sie verbinden Naturschutz mit nachhaltiger Regionalentwicklung und naturverträglicher Erholung.
Naturräume beschreiben Landschaften dagegen anhand ihrer natürlichen Gegebenheiten, etwa Relief, Geologie, Böden und Gewässer.
Deshalb kann eine Landschaft zum Naturpark Oberer Bayerischer Wald gehören und naturräumlich trotzdem Teil des Oberpfälzer Waldes sein.


Der Eixendorfer See liegt naturräumlich im Vorderen Oberpfälzer Wald, genauer im Bereich der Thanstein-Seebarner Berge. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt sie als waldreiche Hochlagen mit großen Höhenunterschieden, die von Schwarzach und Ascha zertalt werden.

Genau diese bewegte Topografie begegnet mir auch auf dem Seeweg immer wieder: in den bewaldeten Hängen, den Felsen am Weg und den schmalen Pfaden oberhalb des Wassers.

Der Eixendorfer See gehört heute außerdem zum Oberpfälzer Seenland. Doch wer dabei an die großen Seen der ehemaligen Braunkohlelandschaft um Wackersdorf und Steinberg denkt, erlebt hier eine deutlich andere Landschaft.

Dort entstanden viele der heutigen Wasserflächen aus ehemaligen Tagebauen.
Hier wurde ein Fluss zum See.

Und gerade deshalb hat der Eixendorfer See seinen flussartigen Charakter bis heute bewahrt.

Das Atlantis der Oberpfalz

Und damit zurück zu jener Straße, die heute im Wasser verschwindet.

Bei meinem Besuch herrschte Niedrigwasser. Eigentlich hatte ich deshalb erwartet, etwas mehr vom alten Eixendorf entdecken zu können. Doch viel gab der See nicht preis. Keine deutlich erkennbaren Hausfundamente, keine plötzlich wieder sichtbare Dorfstruktur. Nur diese alte Straße, die sich etwas schief über den trockengefallenen Untergrund zieht und schließlich im Wasser verschwindet.

Gerade dieses unscheinbare Relikt machte die Geschichte für mich greifbar.

Denn dort, wo heute Wasser liegt, befand sich nicht einfach irgendeine unbewohnte Talfläche. Im Schwarzachtal lagen das Dorf Eixendorf, mehrere Gehöfte, landwirtschaftliche Flächen und eine Eisenbahnstrecke.

Als Anfang der 1960er-Jahre der Bau des Stausees beschlossen wurde, begann ein langwieriger Prozess der Umsiedlung. Bereits 1962 verließ die erste Familie Eixendorf. Es folgten jahrelange Verhandlungen, bis 1975 alle Bewohner das alte Dorf verlassen hatten.

Rund 180 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche gingen durch den Bau des Stausees verloren. Besonders einschneidend war das für die Bauernfamilien: Von neun konnten später nur zwei ihre Landwirtschaft fortführen. Diese Zahlen dokumentiert die Stadt Neunburg vorm Wald in ihrer Darstellung der Geschichte Eixendorfs.

Mit den Häusern verschwand damit mehr als nur Bebauung aus dem Tal.
Es verschwand eine gewachsene Dorfgemeinschaft.

Heute wird das versunkene Eixendorf gelegentlich als „Atlantis der Oberpfalz“ bezeichnet. Ein Name, der neugierig macht und gut zu dem eigentümlichen Anblick einer Straße passt, die im See verschwindet. Doch anders als das sagenhafte Atlantis war Eixendorf ein ganz realer Ort. Und es ist gerade einmal etwas mehr als 50 Jahre her, dass hier noch Menschen lebten.

Ich stehe heute an einem wunderschönen See und versuche mir vorzustellen, wie dieselbe Landschaft ohne Wasser ausgesehen haben muss. Wo verlief die Schwarzach? Wo standen die Häuser? Wie sahen die Felder aus? Wo fuhr die Eisenbahn durch das Tal?

Die heutige Landschaft legt sich über diese Bilder und gleichzeitig verschwinden sie nie vollständig.

Wenn die alte Landschaft wieder auftaucht

Ein Teil des ehemaligen Bahndamms liegt heute auf dem Grund des Eixendorfer Sees. Die Bahnstrecke verband einst Neunburg vorm Wald mit Rötz und verlief durch das Schwarzachtal. Teile ihrer früheren Trasse werden heute sogar wieder vom Eixendorfer Seeweg genutzt.

Bei entsprechend niedrigem Wasserstand werden weitere Spuren sichtbar, die normalerweise unter der Oberfläche liegen.
Eine davon habe ich bei meiner Wanderung möglicherweise sogar übersehen.

Erst im Nachhinein bekam ich den Hinweis, dass Teile des alten Bahndamms bei niedrigem Wasserstand so dicht unter der Wasseroberfläche liegen können, dass der Eindruck entsteht, man könne über den See laufen. Verifizieren konnte ich diese konkrete Beobachtung bislang nicht – faszinierend fand ich sie trotzdem. Vor allem, weil ich nach diesem Bahndamm vermutlich ganz anders Ausschau gehalten hätte, wenn es mir vorher bewusst gewesen wäre.

Manchmal muss man eben wissen, wonach man sucht.

Der Steinerne Steffl

Eine andere Spur des alten Eixendorf steht heute wieder gut sichtbar am See.


Der Steinerne Steffl zeigt einen sogenannten „Wilden Mann“: eine lebensgroße Figur aus Granit, bärtig und stark behaart, mit einem Laubkranz um die Hüften und einem Baumstamm in der Hand. Wie alt die Figur genau ist und welche Bedeutung sie ursprünglich hatte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Ursprünglich stand der Steffl auf der alten steinernen Schwarzachbrücke von Eixendorf. Nach einem Hochwasser wurde die Figur gerettet und später in die Mauer der örtlichen Mühle eingesetzt. Als Eixendorf schließlich dem Stausee weichen musste, verschwand der Steffl nicht mit dem Dorf.
Er zog gewissermaßen mit seinen Bewohnern weiter.

Zunächst kam die Figur nach Neunburg vorm Wald, später nach Eixendorf-West. Seit 2019 steht sie wieder am Eixendorfer See und erinnert dort an den verschwundenen Ort.

Die Straße blieb zurück und verschwand mit der alten Landschaft. Der Steinerne Steffl wurde gerettet und steht heute in der neuen.
Beides erzählt vom selben Ort.

Wo die Schwarzach wieder zum Vorschein kommt

An der Vorsperre verändert die Landschaft ihren Charakter noch einmal.
Hinter der Staumauer wird die Schwarzach zu einem eigenen Vorsperrensee aufgestaut. Ich stehe dagegen unterhalb der Mauer und damit bereits wieder am Eixendorfer See.

Über die Sperre gelangt Wasser in den tiefer liegenden Hauptsee. Zwischen Felsbrocken und Geröll sucht es sich seinen Weg, dazwischen liegen grüne Uferstreifen und kleine Flächen.

Mein erster Gedanke war überraschend weit weg vom Oberpfälzer Wald.
Irgendwie erinnerte mich diese Szenerie an Bilder eines Flussdeltas irgendwo in Afrika.

Ein etwas gewagter Vergleich, schließlich war ich noch nie in Afrika. Und natürlich ist das hier kein Flussdelta. Aber Landschaft funktioniert manchmal genau so: Ein Anblick berührt irgendein gespeichertes Bild im Kopf und plötzlich entsteht eine Assoziation, lange bevor man darüber nachdenkt, ob sie geografisch sinnvoll ist.

Also blieb Afrika für einen kurzen Moment mitten im Oberpfälzer Wald.

Ein Stausee innerhalb des Stausees

Die Vorsperre gehört nicht zur ursprünglichen Anlage.
Nach der Entstehung des Eixendorfer Sees zeigte sich im flachen Bereich der Schwarzach bei Hillstett ein Problem. Schlamm lagerte sich ab und fiel bei schwankendem Wasserstand teilweise trocken. Dabei kam es zu Fäulnisprozessen und Geruchsbelästigungen.

Ende der 1980er-Jahre kam deshalb die Vorsperre hinzu. Hinter ihrer rund 60 Meter langen Staumauer wird die Schwarzach zu einem etwa zehn Hektar großen Vorsperrensee aufgestaut, dessen Wasserstand weitgehend konstant gehalten werden kann. Zwischen Vor- und Hauptsee können bis zu fünf Meter Höhenunterschied liegen.

Damit wird auch die ungewöhnliche Landschaft unterhalb der Mauer verständlicher: Oberhalb liegt die aufgestaute Schwarzach, unterhalb gelangt ihr Wasser zwischen Felsen und grünen Uferflächen in den Eixendorfer See.

Die Landschaft des Stausees wurde also nicht einmal verändert und war danach fertig. Auch später musste auf Entwicklungen reagiert werden.

Und diese Geschichte setzt sich bis heute fort.

Schönes Wasser, schwieriges Wasser

Auf manchen meiner Bilder besitzt das Wasser einen auffälligen blaugrünen, beinahe türkisen Schimmer. Rein optisch kann das ausgesprochen reizvoll wirken.

Ob diese konkrete Färbung tatsächlich mit Cyanobakterien zusammenhing, kann ich nicht sagen.
Sicher ist jedoch: Der Eixendorfer See hat seit vielen Jahren regelmäßig mit starken Cyanobakterienblüten zu kämpfen, umgangssprachlich meist Blaualgen genannt.

Als wesentliche Ursache nennt das Wasserwirtschaftsamt den hohen Nährstoff- und insbesondere Phosphoreintrag über die Schwarzach aus dem rund 410 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet. Zusätzlich können Nährstoffe aus den Sedimenten des Stausees wieder freigesetzt werden.
Entsprechend wird an verschiedenen Stellen versucht, die Belastung zu reduzieren.

Ein besonders sichtbarer Baustein ist der neue Entnahmeturm, der 2024 offiziell eingeweiht wurde. Durch eine höhenvariable Wasserentnahme soll künftig in den Sommermonaten oberflächennahes Wasser abgegeben und eine stabilere Schichtung des Sees erreicht werden. Dadurch sollen Nährstoffe am Seegrund für Cyanobakterien an der Oberfläche schlechter verfügbar sein. 2025 befand sich die Anlage im Probebetrieb; für den regulären Betrieb der oberflächennahen Entnahme lief zuletzt noch das wasserrechtliche Verfahren.

Gleichzeitig betont das Wasserwirtschaftsamt, dass Maßnahmen im gesamten Einzugsgebiet notwendig bleiben.

Auch im See selbst wird angesetzt. Durch gezieltes Hegefischen wird in das Nahrungsnetz eingegriffen, um den Fraßdruck auf Algen zu beeinflussen.
Bei meiner Wanderung waren mir mehrere Angler am See aufgefallen. Ob sie irgendeinen Zusammenhang mit diesen Maßnahmen hatten, weiß ich natürlich nicht. Erst bei der späteren Recherche bekam diese beiläufige Beobachtung für mich trotzdem eine zusätzliche Ebene: Selbst über den Fischbestand wird versucht, das ökologische Gleichgewicht dieses künstlich geschaffenen Sees zu beeinflussen.

Eine einzelne technische Lösung, die das Blaualgenproblem einfach verschwinden lässt, gibt es also nicht.

50 Jahre nach seiner Entstehung ist der Eixendorfer See noch immer eine Landschaft in Entwicklung.

Zurück auf den Seeweg

Irgendwann lasse ich all diese Geschichten und Zusammenhänge wieder hinter mir und gehe einfach weiter.

Der Weg wird schmal, Wurzeln ziehen sich über den Boden, zwischen den Bäumen schimmert das Wasser hindurch. Dann öffnet sich der Wald und der See liegt wieder vor mir. Sonne und Wolken wechseln sich ab und verändern mit dem Licht auch immer wieder seine Farbe.

Vielleicht ist es gerade nach all den Hintergründen ganz angenehm, die Landschaft für eine Weile nicht erklären zu müssen, sondern einfach zu gehen.

Denn trotz der Geschichte des versunkenen Eixendorf, der alten Bahnstrecke, des Steinernen Steffl oder der ungewöhnlichen Landschaft an der Vorsperre gab es für mich auf dieser Wanderung eigentlich nicht den einen Höhepunkt.

Es war der See selbst.
Oder genauer: das Zusammenspiel aus Wasser, Wald, Felsen und Wegen.

Mal führt der Weg unmittelbar am Ufer entlang, dann wieder etwas oberhalb davon. Mal geht es über breitere Schotterwege, mal über Wiesen und vor allem über jene schmalen, wurzeligen Waldpfade, die mir von dieser Runde besonders in Erinnerung geblieben sind.

Und immer wieder erscheint zwischen den Bäumen der See. Jedoch nie ganz gleich.
Mal weit und offen, mal nur als schmaler Streifen zwischen bewaldeten Hängen. Mal beinahe wie ein Fluss, dann wieder eindeutig als See.

Landschaft hat Tiefe

Vielleicht ist es genau das, was mich an Landschaften immer wieder fasziniert.

Man kann sie einfach durchwandern. Man kann einen schönen Wald sehen, einen See, Felsen am Weg und das Licht auf dem Wasser. Und manchmal reicht genau das vollkommen aus.

Aber man kann auch beginnen, Fragen zu stellen.

Warum sieht dieser See eigentlich so aus? Was war hier, bevor das Wasser kam? Warum führt eine Straße hinein? Wo verlief die Eisenbahn? Warum steht mitten am Weg eine steinerne Gestalt? Und warum befindet sich innerhalb eines Stausees noch einmal eine Staumauer?

Mit jeder Antwort verändert sich der Blick ein wenig.

Aus einem See wird ein aufgestautes Flusstal.
Unter dem Wasser erscheint ein Dorf.
Zwischen den heutigen Ufern verläuft gedanklich wieder die Schwarzach.
Eine Straße bekommt ihre Fortsetzung, eine verschwundene Bahnstrecke ihren Verlauf. Und selbst die scheinbar selbstverständliche Seenlandschaft wird plötzlich zu einem Moment in einer viel längeren Geschichte.

Vielleicht bedeutet die Tiefe einer Landschaft genau das:
Dass an einem Ort mehrere Zeiten gleichzeitig sichtbar werden können. Wenn man beginnt, nach ihnen zu suchen.

Der Eixendorfer See ist für mich nach dieser Wanderung deshalb nicht weniger schön geworden, weil ich weiß, dass er menschengemacht ist und seine Entstehung für andere Menschen mit dem Verlust ihrer Heimat verbunden war.

Im Gegenteil.
Seine Schönheit wird dadurch nicht einfacher, aber die Landschaft wird verständlicher.
Und tiefer.

Am Ende bleibt für mich deshalb beides nebeneinander bestehen: die Freude über eine überraschend abwechslungsreiche Wanderung durch den Oberpfälzer Wald. Und das Wissen darum, dass unter der ruhigen Wasseroberfläche eine andere Landschaft weiter ihre Spuren hinterlässt.

Vielleicht führt diese schiefe Straße deshalb so passend in den Eixendorfer See.
Sie endet dort nicht einfach.

Sie führt in die Vergangenheit dieser Landschaft.

Hast du eine Geschichte zu diesem Ort?

Kennst du den Eixendorfer See, erinnerst dich vielleicht sogar an das alte Eixendorf oder hast auf deiner Wanderung etwas entdeckt, das hier noch fehlt? Auch über Hinweise, Ergänzungen oder Korrekturen freue ich mich.

Schreib mir gerne über meine Kontaktseite. Oder hinterlasse direkt unterhalb des Artikels einen Kommentar.

Quellen und weiterführende Informationen

Wasserwirtschaftsamt Weiden:
Gewässerporträt Eixendorfer See – Hydrologie, Funktionen der Talsperre, Vorsperre und Gewässergüte.
50 Jahre Eixendorfer See (1976–2026) – Geschichte, heutige Funktionen und Jubiläumsinformationen.
Entnahmeturm Eixendorfer See – höhenvariable Wasserentnahme, Blaualgenproblematik und aktueller Projektstand.
Stadt Neunburg vorm Wald:
Geschichte des Eixendorfer Sees und des alten Eixendorf – Umsiedlung, Landwirtschaft und Steinerner Steffl.
Bayerisches Landesamt für Umwelt:
Landschaftsbildbewertung Bayern – Vorderer Oberpfälzer Wald und Thanstein-Seebarner Berge.
Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald:
Eixendorfer Seeweg – offizieller Wegverlauf, Tourdaten und Informationen zur ehemaligen Bahnstrecke.

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2 Kommentare

  1. Hallo Johannes,
    wieder ein sehr interessanter und informativer Blogbeitrag, der deine Begeisterung für die erwanderte Landschaft gut wiedergibt! Toll, dass du uns an deinen Eindrücken und Nachforschungen über den Eixendorfer See teilhaben lässt!
    Liebe Grüße
    Sabine

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