Winter im Übergang. Eisplatte auf matschigem Weg mit Sonnenstern zwischen Bäumen.

Winter im Übergang

Der Winter ist noch da, aber er fühlt sich anders an als noch vor ein paar Wochen.

Nicht nur draußen, auch innerlich. Die Tage sind weiterhin kurz und oft kalt, werden aber bereits merklich länger und auch wärmer. Sie tragen nicht mehr dieselbe Schwere. Der Winter wirkt weniger geschlossen, weniger eindeutig. Als hätte er begonnen, sich zu bewegen.

Winterbeginn – kalendarisch & meteorologisch

Der kalendarische Winter beginnt mit der Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember.
Der meteorologische Winter hingegen startet bereits am 1. Dezember und umfasst die Monate Dezember, Januar und Februar.
Zwei Sichtweisen auf dieselbe Jahreszeit – eine astronomische, eine klimatische.

An manchen Tagen schmilzt der Schnee, die Wege werden weich, und die Luft fühlt sich beinahe frühlingshaft an. Dann wieder wird es bitterkalt, klar und hart. Der Winter zeigt sich in wechselnden Bildern, ohne sich festzulegen.

Es sind diese Tage, an denen man spürt, dass nichts mehr eindeutig ist. Der Drang nach draußen ist da, aber ebenso der Wunsch, im Warmen zu bleiben. Zwischen beidem entsteht ein stilles Schwanken, das zum Winter genauso gehört wie Kälte und Schnee.

In dieser Bewegung liegt auch eine besondere Form von Ruhe. Der Winter zieht sich nicht abrupt zurück, er lässt nach. Die Natur bleibt noch still, zurückgenommen, als würde sie sammeln, was sie für den kommenden Frühling braucht.

Jahr für Jahr merke ich, wie sich diese Ruhe auch auf mich überträgt. Die Energie wird weniger, die Bewegung langsamer, der Drang, ständig unterwegs zu sein, lässt nach. Dinge brauchen mehr Zeit, Entscheidungen reifen langsamer, und nicht alles will sofort in Bewegung kommen.

Diese Zurückgenommenheit fühlt sich nicht wie Stillstand an. Eher wie ein bewusster Schritt zurück, der Raum schafft. Für Wahrnehmung, für Gedanken, für ein anderes Tempo.

Winterruhe in der Natur

Viele Pflanzen und Tiere reduzieren im Winter ihren Stoffwechsel. Wachstum und Aktivität werden zurückgefahren, Energie gespart.
Diese Phase der Ruhe ist keine Pause vom Leben, sondern eine Vorbereitung auf das kommende Frühjahr.

Trotz dieser Ruhe bleibt der Wunsch nach Bewegung. Nicht als Gegenpol, sondern als Ergänzung. Ein paar Schritte, ein Weg vor der Haustür, manchmal auch eine bewusst gewählte Strecke.

So habe ich mich noch im Dezember für den Oberpfälzer Jakobsweg entschieden. Nicht, um etwas zu erreichen, sondern um in Bewegung zu bleiben. Um dem Winter nicht auszuweichen, sondern ihn gehend zu begleiten.

Der Winter zeigt in diesen Wochen viele Gesichter. Der Dezember blieb oft grau, die Landschaft gedämpft, beinahe farblos. Die Vorstellung einer weißen Weihnachtszeit erfüllt sich nur selten, und doch liegt auch in diesen stillen, grauen Tagen eine eigene Ruhe.

Wenn dann die Sonne durchbricht, verändert sich alles. Selbst das Grau beginnt zu leuchten, Konturen werden sichtbar, und für einen Moment wirkt die Welt leichter, als sie es eben noch war.

Schneelandschaft mit Licht und Schatten.

Im Januar kam schließlich der Schnee. Nicht immer viel und oft nur für kurze Zeit, aber ausreichend, um den Winter noch einmal neu zu zeigen. Wege wurden heller, Geräusche gedämpfter, die Bewegung vorsichtiger. Grau und Weiß stehen nebeneinander, ohne sich zu widersprechen. Beides gehört zu diesem Winter.

Gerade im Winter fällt mir auf, wie sehr sich auch das Licht verändert. Die Sonne steht tiefer, die Tage enden früher, und zwischen Nebel, Grau und Schnee entstehen Stimmungen, die sich schnell wieder auflösen. Es ist eine Zeit, in der sich das Sehen verlangsamt und jeder kurze Moment eine eigene Qualität bekommt. Eine stille, dankbare Zeit, um draußen wahrzunehmen – und manchmal auch, um diese Augenblicke festzuhalten.

Besonderheiten des Winterlichts

Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer als im Sommer. Dadurch entstehen flachere Lichteinfallswinkel, längere Schatten und eine weichere Lichtstimmung.
Die kürzeren Tage und die frühere Dämmerung verstärken diesen Effekt und sorgen für eine große Vielfalt an Licht- und Wetterstimmungen.

Mit dem Winter zieht sich nicht nur die Natur zurück, auch innerlich wird vieles langsamer. Der innere Winterschlaf macht sich bemerkbar, manchmal leise, manchmal deutlicher. Die Motivation, sofort in die Stiefel zu springen, ist nicht immer da. Draußen ist es kalt, nass, rutschig… drinnen dagegen warm und gemütlich.

Diese Trägheit fühlt sich nicht falsch an. Sie ist kein Zeichen von Stillstand oder fehlender Lust, sondern Teil dieses Winters. Nicht jeder Tag verlangt nach Bewegung, nicht jeder Weg will gegangen werden. Manche Tage wollen einfach nur sein.

An solchen Tagen wird deutlich, dass der Winter nicht nur draußen stattfindet. Er legt sich auch über Gedanken, über Pläne, über den Wunsch, voranzukommen. Und vielleicht ist genau das seine Aufgabe: Raum zu schaffen, indem er Tempo herausnimmt.

Waldweg der in den Nebel führt.

Dieser innere Rückzug zeigt sich auch darin, wie Gedanken ihren Platz finden. Im Winter fällt es schwerer, Dinge klar zu fassen oder Entscheidungen voranzutreiben. Gedanken kreisen, bleiben liegen oder verlieren sich wieder.

Statt dagegen anzukämpfen, lasse ich sie kommen und gehen. Manche halte ich fest, schreibe sie auf, um später darauf zurückzukommen. Andere dürfen wieder verschwinden. Nicht alles, was gedacht wird, muss sofort Form annehmen.

Das Schreiben wird in dieser Zeit weniger zu einem Ziel, sondern zu einem Begleiter. Ein stiller Ort, an dem Gedanken auftauchen dürfen, ohne geordnet oder abgeschlossen zu sein.

Anstatt in Frustration über diese Langsamkeit zu verfallen, genieße ich die Ruhe. Ich lasse Gedanken schweifen, schreibe sie für später auf oder lasse sie ziehen. Ich gehe hinaus, egal ob es nur ein paar Schritte sind oder eine ausgedehnte Wanderung.

Der Winter fordert nichts. Er drängt nicht, er beschleunigt nicht. Und genau darin liegt seine Qualität. Er erlaubt, langsamer zu werden, ohne stehenzubleiben.

So wie ich mir gewiss bin, dass der Frühling kommen wird, so weiß ich auch, dass die Kraft zurückkehren wird. Nicht auf Knopfdruck, sondern in ihrem eigenen Tempo.

Winter im Übergang. Blick in die Weite mit Schnee, der in Grünfläche übrgeht.

2 Kommentare

  1. Deine Gedanken zum Winter, lieber Johannes, sind wieder so treffend formuliert und regen sehr zum Nachdenken an! Du hast völlig recht, der Winter bedeutet beides, Ruhepause für Mensch und Natur … und Vorbereitung auf Neues. Ich mag beides, die Ruhe im Winter und die Vorfreude auf den Frühling und das neu erwachende Leben.

    1. Hallo SabineB,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut mich sehr, das meine Worte dich erreicht haben und zum Nachdenken anregen konnten. Ich genieße die Ruhe, die der Winter mit sich bringt, freue mich aber auch bereits auf das Erwachen der Natur.

      Viele Grüße,
      Johannes

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