Burg Hohenstein, 1. Etappenziel auf dem Paul-Pfinzing-Weg.
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Paul-Pfinzing-Weg – Ein stiller Fernwanderweg durch die Hersbrucker Schweiz

Was den Paul-Pfinzing-Weg besonders macht

Zwei schwarze „P“ auf gelbem Grund – dieses Zeichen ist mir bei Wanderungen rund um die Hersbrucker Schweiz schon oft begegnet.
Lange wusste ich nur, dass es etwas Historisches markieren musste.
Irgendwann wollte ich es genauer wissen: Wer war Paul Pfinzing? Und wohin führt sein Weg?

Die Antwort reicht weit zurück.
Paul Pfinzing d. Ä. war ein Nürnberger Kartograph des 16. Jahrhunderts, der 1594 mit dem „Pfinzing-Atlas“ die Gebiete der Reichsstadt festhielt.
Der heutige Paul-Pfinzing-Weg folgt der damaligen Grenze des Pflegamts Hersbruck und verläuft damit durch eine Region, die bis heute von Geschichte, Landschaft und alten Strukturen geprägt ist.

Diese historische Linie bildet das Rückgrat eines rund 100 Kilometer langen Wanderwegs, der durch die Frankenalb, das Nürnberger Land und die Hersbrucker Schweiz führt.
Über Wälder, Täler, Felsen, Dörfer und Burgen – ein Weg, der sowohl landschaftlich als auch kulturell außerordentlich vielfältig ist.


Ich habe den Paul-Pfinzing-Weg in fünf Etappen erwandert.
Was mich erwartete, war eine Mischung aus historischen Spuren, herbstlichen Stimmungen und überraschender landschaftlicher Abwechslung. Ein Weg, der sich leise entfaltet und im Gehen seine ganze Schönheit zeigt.

Wer war Paul Pfinzing? – Geschichte eines Wegzeichners

Der Name Paul Pfinzing taucht heute in Straßennamen, Schulen und als Wegmarkierung auf, zwei ineinandergeschlungene schwarze „P“ auf gelbem Grund, die Wandernde durch die Hersbrucker Schweiz führen. Doch hinter diesen Initialen verbirgt sich eine bemerkenswerte Persönlichkeit der Nürnberger Geschichte und eine kartographische Leistung, die bis heute nachwirkt.

Paul Pfinzing d.Ä.

Paul Pfinzing d. Ä. (1540–1599) entstammte einer angesehenen Nürnberger Patrizierfamilie. Er war Ratsherr, Unternehmer und vor allem ein leidenschaftlicher Kartograph. In einer Zeit, in der genaue Landkarten noch selten waren, widmete er sich der Vermessung und Darstellung der Gebiete rund um Nürnberg. Sein bedeutendstes Werk, der Pfinzing-Atlas aus dem Jahr 1594, gilt als eines der frühesten und detailliertesten Kartenwerke zur Reichsstadt Nürnberg überhaupt.

Bild: Paul Pfinzing, Public domain, via Wikimedia Commons

Besonders im Fokus stand dabei das Pflegamt Hersbruck, ein Verwaltungs- und Herrschaftsgebiet der Reichsstadt, das über ein weites, landschaftlich abwechslungsreiches Areal verfügte. Wälder, Täler, Felsen, Dörfer, Mühlen und Burgen – viele der Orte, die auch heute noch charakteristisch für die Region sind.

Der Paul-Pfinzing-Weg

Der heutige Paul-Pfinzing-Weg folgt dieser historischen Grenze. Wer ihn bewandert, folgt nicht nur modernen Pfaden, sondern bewegt sich entlang einer politischen und kulturellen Linie, die über 400 Jahre alt ist. Die Route verbindet Orte, die Pfinzing einst aus Vermessungsdaten, Skizzen und Geländeaufnahmen zu einer präzisen Landkarte zusammenfügte. Ein beachtliches Unterfangen in einer Zeit ohne moderne Technik.

Dass der Weg heute nach ihm benannt ist, ist mehr als eine Ehrung.
Es ist eine Einladung, Landschaft und Geschichte miteinander zu verbinden.
Denn auf jedem Kilometer begegnet man Spuren vergangener Grenzen, alten Handelswegen, Schutzburgen, Relikten der Kulturlandschaft und einer Kartographie, die die Region damals wie heute prägt.

In dieser historischen Linie liegt der besondere Reiz des Paul-Pfinzing-Wegs.
Er führt nicht nur durch die Natur der Hersbrucker Schweiz, sondern durch einen Raum, der von Menschen gestaltet, geschützt und beschrieben wurde. Und dessen Geschichte man bei jedem Schritt mitwandert.

Der Weg heute – Eine Reise durch Frankenalb und Hersbrucker Schweiz

Wer heute den Paul-Pfinzing-Weg geht, bewegt sich durch eine Landschaft, die zugleich uralt und gegenwärtig wirkt. Die historische Grenze des früheren Pflegamts Hersbruck verläuft durch eine Region, die bis heute von ihren natürlichen Formen und ihrer kulturellen Prägung lebt. Von den offenen Weiten der Frankenalb, den zerklüfteten Felsbändern der Hersbrucker Schweiz und den stillen Tälern, in denen Bäche, Mühlen und kleine Dörfer liegen.

Die rund 100 Kilometer des Weges verbinden diese facettenreiche Landschaft zu einem eindrucksvollen Ganzen. Man wandert über weiche Wiesenwege, durch lichte Buchenwälder, über felsige Pfade und stille Forststraßen. Immer wieder öffnen sich überraschende Blicke über Hügelketten, Talräume und Felsformationen, die typisch für die fränkische Karstlandschaft sind.

Gleichzeitig führt der Weg durch Kulturraum: durch jahrhundertealte Dörfer, vorbei an Burgen wie Hohenstein, entlang alter Mühlenstandorte oder über Flächen, die seit Generationen landwirtschaftlich genutzt werden. Die Grenzen, die Paul Pfinzing einst kartierte, verlaufen heute durch einen Raum, der zwar modern geworden ist, aber seine Geschichte nie verloren hat.
Hier begegnet man Landschaft nicht nur als Natur, sondern als gewachsene Kulturlandschaft, die vom Zusammenspiel aus Mensch, Topographie und Geschichte geprägt ist.

Gerade diese Mischung macht den Paul-Pfinzing-Weg besonders:
Er ist kein reiner Naturweg, aber auch kein musealer Geschichtspfad. Er verbindet beides auf eine stille und selbstverständliche Weise. Wer ihn wandert, erlebt sowohl geologische Vielfalt als auch historische Tiefe, sowohl stille Wälder als auch offene Höhen, sowohl abgelegene Täler als auch lebendige Ortschaften.

Für viele Wandernde ist er deshalb kein „Spektakel-Weg“, sondern ein innerer Weg. Ein Weg des stetigen Übergangs, des Rhythmus, des meditativen Unterwegsseins.
Jede Etappe offenbart einen anderen Charakter, ein anderes Licht, eine andere Stimmung. Genau das macht den Reiz dieser Fernwanderung aus.

So wird der einst kartierte Grenzraum zu einem Erzählraum, einer Landschaft, die sich im Gehen öffnet und mit jedem Abschnitt ein neues Kapitel zeigt.

IV. Die fünf Etappen des Paul-Pfinzing-Wegs

Der Paul-Pfinzing-Weg lässt sich am besten verstehen, wenn man seinen Verlauf als Ganzes sieht: ein weiter Bogen durch die Frankenalb und die Hersbrucker Schweiz, aufgeteilt in fünf durchaus unterschiedliche Etappen.
Hier findest du zunächst meine Komoot-Collection mit allen Abschnitten und dem vollständigen Verlauf der Tour.
Darunter gehe ich die Etappen einzeln durch, so wie sie sich im Gehen entfaltet haben, jeweils mit dem zugehörigen Komoot-Link zum Nachwandern.

Etappe 1 – Von Reichenschwand nach Hohenstein

Aufbruch zwischen Licht, Wald und Geschichte

Die erste Etappe beginnt im Herzen von Reichenschwand, wo der Bahnhof als unkomplizierter Startpunkt dient. Schon nach wenigen Schritten verlässt man die Siedlung und taucht in die Übergangszonen aus Wald, Wiesen und ersten Aussichtspunkten ein. Hier wirkt der Weg noch frisch, offen, voller Vorfreude — ein klassischer Auftakt, der mehr verspricht, als er zeigt.

Der Anstieg erfolgt gleich zu Beginn. Schon bald geht es über Waldpfade, die sich im Herbstlicht über die Hänge ziehen. Immer wieder öffnen sich Blicke über das Nürnberger Land, hin zu Hügelketten, die von Weite und Ruhe erzählen. Der Weg pendelt zwischen schmalen Pfaden und breiteren Forstwegen, zwischen offenen Kuppen und verwunschenen Waldpassagen.

Im weiteren Verlauf rückt ein Wahrzeichen in den Mittelpunkt, Burg Hohenstein. Wie ein Felsanker thront sie über der Region. Schon früh taucht sie zwischen den Hügeln auf, mal nah, mal fern, und begleitet die Etappe als stilles Ziel. Auf dem Weg dorthin passiert man kleine Dörfer, historische Strukturen und ein Stück fränkischer Kulturlandschaft, die in ihrer Mischung aus Aufgeräumtheit und Ursprünglichkeit fasziniert.

Nach dem finalen Anstieg nach Hohenstein belohnt einen der eindrucksvolle Blick vom Burggelände. Wälder, Täler und Höhen der Hersbrucker Schweiz breiten sich aus, und das Licht der späten Stunden taucht die Burgmauern in warmen Ton.

Ein kraftvoller Beginn — fordernd, abwechslungsreich, stimmungsvoll.
Eine Etappe, die zeigt, warum dieser Weg mehr ist als nur eine historische Linie: Er ist ein Einstieg in eine Landschaft, die sich erst beim Gehen wirklich öffnet.

Etappe 2 – Von Hohenstein nach Weigendorf

Zwischen Wasser, Felsen und stillen Tälern

Die zweite Etappe setzt unterhalb von Burg Hohenstein an, mit den Mauern im Rücken. Der Weg führt zunächst durch Treuf und dann hinab Richtung Pegnitztal. Die Landschaft wirkt hier kompakter, geschlossener als auf der ersten Etappe. Wälder, Felsen und Bachläufe rücken enger zusammen und lassen den Weg zu einem ständigen Wechsel aus Licht und Schatten werden.

Kurz bevor man die Harnbacher Mühle erreicht, wartet ein kleines Naturjuwel, das leicht zu übersehen wäre: ein Kalktuffwasserfall, eingebettet in Moos und Wurzelwerk. Das leise Rauschen, die klaren Wasserfäden und das herbstliche Licht verleihen diesem Ort eine fast intime Stimmung. Einer dieser Plätze, an denen man langsamer wird, ohne es zu merken.

Von hier aus führt der Paul-Pfinzing-Weg weiter durch die offenen Passagen bei Enzendorf und Artelshofen. Die Pegnitz bleibt oft verborgen hinter Wald und Uferbewuchs, doch das Spiel des Lichts im Tal macht diesen Abschnitt besonders angenehm. Die Mischung aus Flusstälern, Wiesen und Waldhängen wirkt wie eine natürliche Collage aus allem, was die Hersbrucker Schweiz ausmacht.

Nach Vorra steigt der Weg über den Pfarrerberg in ein neues Tal hinüber: das Hirschbachtal, still und von zeitloser Ruhe. Die Pfade werden schmaler, die Felsen dichter. Ein Vorgeschmack auf die Felslandschaften des Norissteigs. Vorbei an Amtsknechthöhle und Noristörle bewegt man sich durch verwurzelte, verwinkelte Waldabschnitte, in denen man leicht vergisst, wie nah die Ortschaften eigentlich liegen.

Weigendorf markiert schließlich das Ende dieser Etappe. Kein lauter Abschluss, kein großer Höhepunkt, aber ein Abschnitt, der zeigt, wie schön ein Weg sein kann, wenn er nicht aus einzelnen Attraktionen besteht, sondern aus einem stetigen Fließen.

Etappe 3 – Von Weigendorf nach Waller

Ein Tag zwischen Nebel und Licht

Der dritte Tag beginnt leise. Nebel hängt über den Hügeln, die Wälder wirken gedämpft, und selbst die Geräusche scheinen weicher zu werden. Die Wanderung nach Lichtenegg führt zunächst entlang des Högenbachs und über schmale Waldpfade, die im Dunst beinahe mystisch wirken. Ein langsamer, atmosphärischer Einstieg, der völlig anders ist als der klare Auftakt der ersten beiden Etappen.

Die Ruine Lichtenegg, meist ein Aussichtspunkt mit weitem Blick, zeigt sich an diesem Tag nur als Schatten im Grau. Doch gerade das macht ihren Reiz aus. Die Wehranlage wirkt entrückt, fast wie ein Ort, der aus einer anderen Zeit zu dir herübertritt. Die fehlende Sicht eröffnet einen anderen Blick, weniger spektakulär, dafür innerlicher.

Von hier aus führt der Weg hinab nach Wüllersdorf und weiter nach Hofstetten. Während die Täler noch im Nebel liegen, beginnen die ersten Höhenzüge Richtung Alfeld bereits im Licht zu schimmern. Ein Übergang zeichnet sich ab, langsam und fast unmerklich. Ein Wechsel, der diese Etappe prägt.

Der Abschnitt hinauf nach Alfeld führt durch Fels-gespickte Wälder, über leise Wege und alte Strukturen. Im Ort selbst wirkt die Geschichte greifbar. Mehr als tausend Jahre Siedlungsgeschichte, die man auch ohne historische Tafeln spürt. Ab hier öffnet sich die Landschaft zunehmend. Die Wolkendecke reißt auf, das Licht gewinnt an Kraft.

Die letzten Kilometer nach Waller führen durch ein sanftes, goldenes Licht. Ein später Nachmittag, der die Landschaft fast feierlich wirken lässt. Nach einem Tag im Grau fühlt sich dieser Moment besonders kostbar an.
Eine Etappe ohne großes Spektakel, aber voller Stimmungen. Eine Reise durch Zwischenräume, aus denen erst das Licht wieder einen klaren Tag formt.

Etappe 4 – Von Waller nach Unterhaidelbach

Zwischen Grau, Alltag und vertrauter Landschaft

Der vierte Tag beginnt erneut in gedämpften Farben. Während am Vortag die Sonne noch das Land vergoldete, liegt nun wieder ein grauer Schleier über den Hügeln. Die ersten Kilometer führen vom Parkplatz in Waller über den Hüllweiher und entlang von Schotterwegen, Wiesenpfaden und kurzen Waldpassagen. Eine Etappe, die von Anfang an bodenständiger wirkt.

Die Nähe zur A6 ist hier spürbar. Sie ist Begleiter und Störfaktor zugleich. Ein Band moderner Bewegung inmitten einer ansonsten stillen Kulturlandschaft. Und doch ist ihr Dasein auch verbindend. Ein Hinweis darauf, wie eng alte Wege, moderne Infrastruktur und alltägliches Leben ineinandergreifen.

Oberhalb von Raschbach beginnt die Landschaft ruhiger zu werden. Die Hochfläche bei Klingenhof zeigt typische Formen der Frankenalb: offene Höhen, flache Kuppen, weite Sichtachsen. Kurz darauf führt der Weg in den Wald, und die Stimmung verändert sich erneut.

An der Hangkante der Klingenhofer Höhe verläuft ein schmaler Singletrail, der zu den schönsten Passagen dieser Etappe gehört. Wurzeln, eine leichte Schräge, alte Bäume — ein Pfad, der das Gehen spürbar macht. Schließlich fällt der Weg steil nach Entenberg ab, das still am Talende liegt.

Der letzte Abschnitt folgt dem Haidelbach durch kleine Dörfer wie Oberhaidelbach und Pötzling. Hier zeigt sich der Weg von seiner unspektakulären, aber ehrlichen Seite. Er lädt weniger zum Staunen ein, dafür mehr zum ruhigen Voranschreiten.

Unterhaidelbach ist ein nüchternes, aber passendes Etappenziel. Ein Ort, an dem man merkt, wie viel innere Ruhe sich nach vier Tagen Wandern angesammelt hat.

Etappe 5 – Von Moritzberg nach Reichenschwand

Rückkehr, Nadelwald und der leise Abschluss eines langen Weges

Die fünfte Etappe beginnt mit einem letzten Anstieg. Ein würdiger und steiler Aufschwung hinauf zum Moritzberg. Der Weg führt über weiche Waldpfade, durch Buchen- und Mischwald und schließlich gelangt man zur Straße, die weiter zum Bergasthof und Aussichtsturm führen würde.

Der Abstieg nach Weigenhofen öffnet den Blick auf eine offene Kulturlandschaft, die im Spätherbst eher schlicht wirkt. Abgeerntete Felder, grauer Himmel, feuchte Erde. Kein klassisches Postkartenmotiv, aber ein ehrlicher, fast kontemplativer Abschnitt, der gut zum letzten Tag passt.

Dann erreicht man den Nessenbach, eine kleine Welt für sich. Dunkler Nadelwald, moosige Böden, ein schmaler Bach, der sich in einer flachen Schleife durch das sandige Bett zieht. Hier wirken die Landschaft und der Weg sanfter als zuvor. Ein Ort, der zum Verweilen und Innehalten einlädt.

Über Ottensoos führt der Weg schließlich zur Pegnitz und folgt ihr zurück nach Reichenschwand. Ein kleiner Abstecher zum Schloss wird zum symbolischen Abschluss.
Der Weg endet genau dort, wo er begann. Es ist kein triumphales Finale, sondern ein leiser Schluss.

Ein Weg, der sich nicht mit einem Gipfel oder einem großen Ausblick verabschiedet, sondern mit der einfachen Schönheit des Ankommens.

Die Essenz des Weges – Was bleibt nach fünf Etappen?

Wenn ich auf den Paul-Pfinzing-Weg zurückblicke, sehe ich eigentlich zwei Wege in einem. Die ersten beiden Etappen – oder genauer, die rund 50 Kilometer bis Lichtenegg – tragen eine besondere Kraft. Sie sind fordernder, abwechslungsreicher, stärker im Höhenprofil. Es geht hinauf und hinab, über Felsen und schmale Pfade, vorbei an Burgen, Aussichtspunkten und den typischen Formen der Hersbrucker Schweiz.
Es ist ein Weg, der gleich zu Beginn zeigt, was diese Region ausmacht: Intensität, Weite, Geschichte und Natur in einem sehr lebendigen Wechselspiel.

Ab Lichtenegg verändert sich der Charakter. Die Etappen werden ruhiger, sanfter, fließender. Die Berge werden zu Hügeln, die Hochflächen breiter, die Landschaft gedämpfter. Die beeindruckenden Felslandschaften treten zurück, und die Region zeigt eine andere Seite: eine stille, unaufgeregte, landschaftlich weiche Linie, die weniger fordert, dafür mehr Raum zum Gehen gibt.

Beides gehört zum Paul-Pfinzing-Weg. Das Dynamische und das Ruhige.
Das Fordern und das Loslassen.
Der Blick nach vorne und das Einsinken in die Landschaft.

Vielleicht ist es genau das, was seine Essenz ausmacht, dass man ihn nicht als Reihe von Höhepunkten geht, sondern als eine Art Fluss. Ein Weg, der mit Kraft beginnt und mit Ruhe endet. Ein Weg, der zeigt, dass Landschaft nicht immer gleich wirken muss, um stimmig zu sein.

Praktische Informationen zum Paul-Pfinzing-Weg

Der Paul-Pfinzing-Weg ist eine Fernwanderung, die sich gut strukturiert und ohne große Vorbereitung erwandern lässt. Die Mischung aus naturnahen Abschnitten, historischen Orten und kleinen Ortschaften macht ihn zu einem vielseitigen, gut begehbaren Weg. Ideal für alle, die abseits großer Wander-Hotspots unterwegs sein möchten.
Damit die Planung leichter fällt, findest du hier die wichtigsten Informationen im Überblick:

Start/Ziel: Reichenschwand (Bahnhof, gute Anbindung)
Gesamtlänge: ca. 100 km
Höhenmeter: rund 2.000 hm
Empfohlene Dauer: 4–6 Etappen, abhängig von Kondition und persönlichem Tempo
Meine Aufteilung: 5 Etappen (ausgewogen, gut machbar)

Markierung: zwei ineinander geschlungene „PP“ auf gelbem Grund
Wegearten:
Pfade (Wurzelwege, Waldpfade, Felsbereiche)
Wiesenwege
Forst- und Schotterwege
gelegentliche Asphaltabschnitte, vor allem in Ortsnähe
Schwierigkeit: leicht bis mittel
keine Kletterpassagen
gelegentlich steile oder rutschige Abschnitte (v. a. bei Nässe)
gute Grundkondition erforderlich

Frühling: blühende Wald- und Wiesenlandschaft, angenehme Temperaturen
Herbst: stimmungsvolles Licht, Färbung der Wälder – ideal für Fotografie
Sommer: möglich, aber stellenweise sehr sonnige Abschnitte
Spätherbst / November: oft atmosphärisch, ruhig, nebelig – wie bei meiner Tour

Feste Wanderschuhe (trittsicher, bei Nässe rutschig)
Stöcke optional, aber hilfreich bei steilen Abstiegen
Wasser & Verpflegung für längere Abschnitte
Kleidung für wechselnde Bedingungen
GPS oder App zur Orientierung (z. B. Komoot)

Der Weg führt durch mehrere Orte, in denen Gasthöfe, Gaststätten oder Unterkünfte vorhanden sind. Die Dichte ist nicht extrem hoch, aber ausreichend für Etappenwandernde.
Empfehlenswerte Etappenziele:
Hohenstein, Weigendorf, Waller, Unterhaidelbach, Ottensoos / Reichenschwand
Einkehren ist in vielen Ortschaften möglich, aber nicht überall garantiert.
Supermärkte gibt es in größeren Orten entlang der Route.

Der Weg ist gut per Bahn erreichbar, v. a. entlang des Pegnitztals (RE/RB: Nürnberg – Neuhaus/Pegnitz).
Zwischen mehreren Etappenorten verkehren Buslinien.
Dadurch lässt sich der Weg auch als Streckenwanderung mit Rückfahrt planen.

Komoot: Meine komplette Collection mit allen fünf Etappen findest du hier: Collection auf Komoot
Fränkischer Albverein: Weg-Nr. 013 „Paul-Pfinzing-Weg“

Hinweise für die Tour

Bei Regen oder nassem Laub sind die Felsabschnitte am Norissteig rutschig.
In den Tälern kann es kühler und feuchter sein als auf den Höhen.
Der Weg erfordert keine besondere Technik, aber Konzentration auf wurzeligen Abschnitten.
Einige Abschnitte (v. a. Etappe 3 und 4) bieten weniger Aussicht, dafür viel Ruhe.
Historischer Kontext: Paul Pfinzing auf Wikipedia
Weitere Infos zum Nürnberger Land: Nürnberger Land Tourismus

Fazit – Ein Weg zwischen gestern und heute

Der Paul-Pfinzing-Weg ist ein stiller Fernwanderweg, der sich in zwei klaren Bewegungen zeigt: ein kraftvoller Auftakt voller Abwechslung, Felsen und historischer Orte – und ein zweiter Teil, der leiser wird, weiter, sanfter. Wer den Weg vollständig geht, erlebt diesen natürlichen Wechsel wie eine Atembewegung.

Gerade die ersten Etappen bis Lichtenegg zeigen eindrucksvoll, was die Hersbrucker Schweiz landschaftlich und historisch auszeichnet: Burg Hohenstein auf ihrem Fels, die Nebelstimmung an Ruine Lichtenegg, die Felsen rund um den Norissteig. Das sind Abschnitte, die für sich stehen können und eine besondere Intensität besitzen.

Die späteren Etappen öffnen einen anderen Raum: kulturlandschaftlich, ruhig, weniger spektakulär, aber stimmig als Ausklang.

Und genau darin liegt eine interessante Möglichkeit:
Wer die Highlights der Region in einer alternativen, sehr abwechslungsreichen Route verbinden möchte, kann den Paul-Pfinzing-Weg bis Lichtenegg gehen – und ab dort auf den Frankenalb Panoramaweg wechseln. Diese Kombination verbindet die eindrucksvollsten Abschnitte beider Wege: Burgen, Höhenzüge, Felsenlandschaften und stille Täler.
→ Hier geht’s zu meinem Blogartikel über den „Frankenalb-Panoramaweg“

Sie ersetzt den Paul-Pfinzing-Weg nicht, sie setzt nur einen anderen Schwerpunkt:
mehr Fels, mehr Höhe, mehr Abwechslung. Ideal für alle, die den landschaftlichen Kern der Region besonders intensiv erleben möchten.

So oder so bleibt der Paul-Pfinzing-Weg ein Weg, der nicht um Aufmerksamkeit kämpft, sondern einer, der wirkt, weil er ist. Ein Weg zwischen gestern und heute – und einer, der sich mit jeder Etappe ein Stück mehr öffnet.

Wenn du den Paul-Pfinzing-Weg selbst gegangen bist oder einzelne Etappen kennst, freue ich mich über deine Erfahrungen.
Erzähle gerne davon direkt unten in den Kommentaren oder per Nachricht über das Kontaktformular.
Ich freue mich immer, Einblicke und Perspektiven aus der Gemeinschaft zu lesen.

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2 Kommentare

  1. Lieber Johannes,
    dein neuer Blogartikel ist dir wieder prima gelungen – sehr ausführlich, informativ und ansprechend! Schön, dabei sein zu dürfen auf deinen tollen Wanderungen! Danke fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße
    Sabine

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